Wie ihr genau solche Bilder nachstellen könnt, auf was ihr bei der Umsetzung achten solltet und welche Vorschriften Euch dabei erwarten, erfährt ihr in diesem Blog-Beitrag. Viel Spaß dabei.

Was, wie, wo

Ja, der Rauch hier ist echt! Der ein oder andere Photoshopexperte schmunzelt vielleicht, weil er den Rauch auch nachträglich ins Bild einfügen könnte. Ich bin jedoch ein Freund von realen Effekten und wende diese lieber gleich während des Fotografierens an. Die Idee dazu hat mir ein Blogbeitrag von Krolob-gerst geliefert. Dort ist das Thema sehr ausführlich beschrieben und erklärt. Die Rauchfackeln habe ich mir im Internet bei Pyroweb bestellt. Eine 5er Packung derselben Farbe kostet dort 14,40€ zuzüglich 6,90 Versand. Abwicklung und Bezahlung via gängiger Zahlmethoden sind sehr unkompliziert und es wird schnell geliefert. Einzig das das Paket, mit großen leuchtenden Gefahrgutsymbolen bei meiner Nachbarin abgegeben wurde, war etwas unangenehm. 😉

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Anmeldung und Gefahren

Rauchfackeln fallen in die Klasse T1 (siehe SprengV). Man braucht zwar keinen Befähigungsschein, muss es aber anmelden sowie bestätigen dass es zweckgebunden eingesetzt wird für Foto/Film. Also am besten bei der Gemeinde oder Stadt anrufen und nach einer Feuerwerksgenehmigung fragen und das Vorhaben dort melden. Sollte eigentlich jedem einleuchten, Rauch assoziiert Gefahr und wer Rauch sieht, der ruft schon mal die Feuerwehr. Rückt ein Löschzug aus, dann wird’s teuer und Ihr tragt die Kosten. Übrigens ist man davor auch nicht auf einem Privatgelände gefeit. Zusätzlich schadet es nicht bei der Feuerwehr, genauer ILS (Integrierte LeitStelle) anzurufen und die netten Kollegen über euer Vorhaben zu informieren. Dann rückt zumindest nicht gleich ein ganzer Löschzug aus und es wird ein wenig günstiger! *hust* Am besten ist jedoch Ihr sucht euch Plätze weit weg jeglicher Zivilisation, wie Felder, alte Industrieanlagen, Steinbrüche etc., dann kommt auch niemand auf die Idee die Feuerwehr zu rufen. Ob Ihr dafür eine Genehmigung beantragt, bleibt Euch überlassen. Ganz nach dem Motto no risk no fun. *wieder hust*  Zündet Ihr so ein Teil mitten in der City gibt’s Ärger, ganz sicher. Nun zu den Gesundheitsgefahren. Auf der Seite von Pyroweb wird darauf hingewiesen das die Anwendung nur im Freien erfolgen soll und der Rauch beim Einatmen gesundheitsschädlich ist. Kommt also eine Wolke auf Euch zu, heißt es Luft anhalten, dass das Einatmen des Rauchs bei den knalligen Farben nicht gesundheitsfördernd ist sollte jetzt nicht verwundern. Ich kann Euch jedoch beruhigen, mein Model und ich haben es auch überlebt. Bei direktem Kontakt über dem Austritt der Fackel, färbt diese übrigens ab, also schön Abstand von der Kleidung halten.

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Die Umsetzung und Kameraeinstellungen

Beim Shooting muss natürlich alles etwas schneller gehen. Der Rauch verhält sich je nach Windrichtung sehr chaotisch und bei einer Fackelbrenndauer von 60s, bleibt  keine Zeit zwischendurch mal noch die Einstellungen in der Kamera zu ändern. Stellt euer Licht vorher ein und macht ein zwei Probeschüsse bis es passt. Tendenziell empfehle ich ein wenig unterbelichten damit der Rauch eine schöne Zeichnung hat. Auf zusätzliche Blitze würde ich verzichten. Bei zu viel Licht wirkt der Rauch sehr schnell ausgebrannt und die Farbe geht komplett verloren. Ich habe bei meinen Bildern ausschließlich mit Awailablelight gearbeitet und auch keinen Reflektor benutzt. Positioniert euer Model also so im Umgebungslicht, dass es eine schöne natürliche Ausleuchtung erhält. Sucht Euch beispielsweise in Industriegebäuden alte Fenster oder Dachluken durch die das Licht herein fällt und nutzt diese Quellen zur Ausleuchtung des Motivs. Wenn bis hierhin alles passt, fängt der Spaß an!

Im besten Fall habt ihr noch einen Assistenten dabei der das Model im Rauch einhüllt. Ist gerade niemand dabei, kann das Model natürlich auch selbst die Fackeln halten und den Rauch verteilen. Bei meinen Bildern waren wir auch nur zu zweit und Renan hat den Part des Rauchfackelschwingenden Models übernommen. Sind die Rauchschwaden schön dick und undurchsichtig, dann wirken sie im Mitlicht am besten, denn dann kommt die Zeichnung der Rauchschwaden schön zur Geltung. Ist der Rauch großflächig verteilt und hat weniger Struktur, dann wirkt dieser im Gegenlicht besser. Ist natürlich alles auch wieder reine Geschmackssache. Bei unserm Set kam diffuses Licht von oben aus den Dachfenstern und das sowohl von vorne als auch ein wenig von hinten. Fotografiert habe ich das Ganze dann mit meiner Nikon d750, dem Sigma 35mm Art und dem Tokina 16-28 jeweils bei Blende 4,1/200s und ISO 640. Mit der Blende wollte ich ein weiches Bokeh erzeugen, dennoch ausreichend Tiefenschärfe erhalten um den Ausschuss zu begrenzen. Die Belichtungszeit sollte im Eifer des Gefechtes verwacklungsfreie Ergebnisse abliefern und das Defizit an Licht habe ich mit meinem ISO-Wert angepasst. Et voila die Rauchfackel Bilder sind im Kasten. Natürlich sitzt nicht jeder Schuss, jedoch hält sich der Ausschuss in Grenzen wenn ihr im Vorfeld alles durchgeplant und eingestellt habt. Wir haben für unsere Bilder auch nur zwei Rauchfackeln verwendet und in 120s doch ordentliche Ergebnisse abgeliefert, auch wenn das Ganze zugegebenermaßen natürlich auch mal Glücksache sein kann. Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Solltet Ihr in geschlossenen Räumen mit Rauchfackeln arbeiten (was laut Hersteller selbstverständlich verboten ist), dann legt die Kamera nicht gleich nach dem die Fackel abgebrannt ist zur Seite, sondern nutzt die entstandenen Nebelschwaden im Raum um weitere Bilder zu machen. Dabei können auch sehr interessante Ergebnisse entstehen.

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Fazit

Das Fotografieren mit Rauchfackeln ist eine verdammt spannende Sache. Die Umsetzung ist relativ einfach, es macht riesen Spaß, tolle Effekte und verleiht jedem Bild einen einzigartigen Look. Sei dir jedoch über die Gefahren und Vorschriften im Klaren, sonst kann der Spaß auch mal schnell in einer echten Misere enden und dir hohe Kosten entstehen. Solltest du das beachten steht dem Vergnügen jedoch nichts im Wege.
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Ich wünsche Euch viel Spaß beim Nachmachen und wenn Euch mein Beitrag gefallen hat, oder ihr noch Ergänzungen habt, dann schreibt es mir doch einfach in die Kommentare.

Christian